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Kitsch nur an Weihnachten?
Es gibt verschiedene Arten, Feste zu feiern. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen in der Weihnachtszeit beobachten. Pünktlich zum ersten Advent werden die ersten Zimtsterne, Kokosmakronen und Pfefferkuchen gebacken oder (oh Schande!) teuer gekauft. Wegen der langen Abstinenz wird das Kleingebäck in kürzester Zeit von der Familie vernascht. Also muss man für Nachschub sorgen, schließlich will sich jeder bis Dreikönig ein weiches Winterpolster anfuttern, damit er es im Frühling wieder mit Glyx, Brigitte oder Trennkost loswerden kann. Natürlich fällt die zweite Auflage viel zu groß aus, sodass man Gott und die Welt zum Kaffee einlädt, damit das ganze Zeug auch wirklich wegkommt. Und in diesem Moment outet sich jeder: Nicht nur Geschmack und Aussehen der Plätzchen werden getestet, sondern es kommt auch gleich die ganze Wohnung auf den Prüfstand. Denn anhand der Weihnachtsdekoration kann der Besucher sehr leicht auf die Persönlichkeit des Gastgebers schließen. So sind Haushalte, in denen Kinder leben, dazu verdonnert, die selbst gebastelten Scheußlichkeiten der kleinen Knirpse jedes Jahr aufs Neue mit Würde auszustellen. Manche Vorgärten, Balkone und Fenster leuchten und blinken Tag und Nacht, da kann die Politik noch so sehr über den Klimawandel aufklären. Die einen präsentieren ausschließlich unbezahlbare Markenwaren wie Schnitzereien aus dem Erzgebirge, um sich auf der sicheren Seite zu fühlen, die anderen mischen mutig mit dem Angebot von Lidl und Tschibo. Wieder andere toben sich mit Glitter- und Schneespray aus und räumen die gesamte Wohnung um, damit Krippe & Co. zur Geltung kommt.
Doch Hand aufs Herz: Gehören Sie nicht auch zu denen, die das ganze Jahr auf die Adventszeit hinfiebern, weil Sie endlich Ihrem Hang zum Kitsch frönen können? Aber warum beschränken Sie es dann auf eine so kurze Zeitspanne? Kitsch ist auch im Alltag schön, vorausgesetzt er passt zu Ihnen. Stehen Sie dazu, nicht nur in der Weihnachtszeit! Doch wie komme ich als Innenarchitektin dazu, ein Plädoyer für all diese nutzlosen Staubfänger zu halten, wo ich doch im Studium von meinen Professoren, die allesamt Bauhausschüler waren, Leitsätze wie „Die Form folgt der Funktion“ eingetrichtert bekommen habe? Nun, dazu waren lediglich drei Schlüsselerlebnisse nötig:
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