Objektbeschreibung
Adenauerallee 33 ist eine Adresse mit zwei Gesichtern. Das eine gehört zur großen Stadt, das andere entdeckt man erst oben in der Wohnung: Die Fenster der Wohnräume gehen zum Pulverteich, einer ruhigen Seitenstraße, die sich aus dem städtischen Gefüge fast unauffällig herausnimmt. Zum Hauptbahnhof sind es etwa zehn Minuten zu Fuß, zur Langen Reihe mit ihren Cafés, Restaurants und kleinen Läden ungefähr ebenso viele, zur Außenalster rund fünfzehn.
Auf wenigen hundert Metern verändert St. Georg hier mehrfach seinen Maßstab: vom innerstädtischen Tempo zur stilleren Seitenstraße, von Verkehr zu Altbaufassaden, von Durchgang zu Wohnen.Das Haus selbst nimmt sich Zeit. Es wurde 1903 nach Plänen von Otto Elvers errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Hinter der Eingangstür öffnet sich kein nüchterner Hausflur, sondern ein Treppenraum, der den Blick automatisch nach oben zieht: weiße gedrechselte Stäbe, ein dunkler Handlauf, die weiche Kurve der Treppe und darüber das offene Auge, durch das Tageslicht bis in die unteren Geschosse fällt.
Noch bevor man die Wohnung betritt, hat das Haus bereits etwas von sich erzählt.Im ersten Obergeschoss setzt sich diese Sprache fort. Der Flur zieht sich ruhig durch die Wohnung, breit genug für Bilder, Spiegel oder eine schmale Kommode, und verbindet Räume, die ihre Fläche nicht kleinrechnen müssen. Cremefarbene Holztüren, hohe Decken und Stuck geben ihnen einen gemeinsamen Rhythmus.Das Wohnzimmer lässt sich in zwei Szenen denken, ohne dass man dafür Wände braucht: hier die Sitzgruppe, dort ein richtiger Esstisch.
Dazwischen bleibt Luft. Die großen Fenster ziehen Tageslicht tief in den Raum, und die Höhe der Decke lässt selbst größere Möbel leicht wirken. Das Schlafzimmer ist ebenso unkompliziert proportioniert: Ein großes Bett, ein breiter Schrank, Kommode oder Sessel finden ihren Platz, ohne dass der Raum seine Ruhe verliert.Die 62,22 Quadratmeter werden hier nicht nur den beiden großen Zimmern gewährt. Auch das Bad wirkt, als hätte man ihm bei der Planung mehr als die übliche Restfläche überlassen.
Zwei große Fenster bringen Tageslicht hinein und bleiben dabei von außen uneinsehbar. Badewanne und separate Dusche stehen nicht wie Kompromisse nebeneinander, sondern wie zwei selbstverständliche Möglichkeiten. Selbst für Waschmaschine und Trockner ist noch Platz vorgesehen. In einer Zweizimmerwohnung ist das beinahe eine kleine Großzügigkeit aus einer anderen Bauzeit.In der Küche bekommt die Wohnung eine eigene Stimme. Zwischen hellen Holzfronten und beigefarbenen Fliesen tauchen florale Motive auf, klein genug, um nicht dekorativ zu drängen, aber eigenwillig genug, um dem Raum ein Gedächtnis zu geben.
Das große Fenster am Ende zieht Licht tief hinein. Gorenje-Kochfeld und Backofen sowie die Geschirrspülmaschine gehören selbstverständlich zum heutigen Alltag, ohne die ältere Handschrift des Raums zu überdecken. Wer später mehr Weite möchte, kann die Küche zum Essbereich hin öffnen. Bis dahin bleibt sie ein eigener Raum mit ihrem eigenen Takt.Überhaupt trägt dieses Haus seine verschiedenen Jahrzehnte nicht wie Schichten, die einander verdrängen.
Sie liegen nebeneinander und wohnen zusammen. Die hohen Decken und der Stuck stammen aus einer anderen Welt als die 2001 erneuerten Fenster; unter ihnen liegt heute Laminat in Holzoptik, während Küche und Bad gefliest sind. Unten wartet ein eigener Keller auf alles, was nicht mitwohnen muss. Und während sich das Treppenhaus in seiner alten Kurve nach oben windet, fährt daneben längst der Aufzug bis ins vierte Obergeschoss. Das Haus ist über 120 Jahre alt. Es hat nur nie aufgehört, weiterzuleben.Vielleicht liegt darin auch der Reiz dieser Wohnung: Sie gibt sich nicht mit einem einzigen Blick vollständig preis.
Man entdeckt erst die ruhige Seite der Adresse, dann den Schwung des Treppenhauses, die Höhe der Räume, das unerwartet großzügige Bad, schließlich die floralen Spuren in der Küche. Aus einzelnen Beobachtungen entsteht nach und nach ein Ort. Man beginnt mit einer Adresse und endet mit einer ziemlich konkreten Vorstellung davon, wie es wäre, hier zu wohnen.
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