Natural Luxury – Qualität ist der eigentliche Luxus

Wie wir wohnen, ist uns wichtig. Immer mehr Menschen denken darüber nach, wie sie leben und wohnen können, ohne Ressourcen zu vergeuden. Traditionelles Handwerk, Schlichtheit, hochwertige Materialien, Soft Edge Design – das sind die Signale für einen reinen, weil natürlichen Luxus. Zugunsten von nachhaltigen Produktkonzepten definiert sich dieser über die Konzentration auf das Wesentliche und den Verzicht auf Massenkonsum.

Illustration | Björn Steinmetzler, Koelnmesse

Illustration | Björn Steinmetzler, Koelnmesse

Mit Beginn der Pandemie scheint sich die Nachfrage an qualitativ hochwertigen Produkten mit einer hohen Designqualität nochmals gesteigert zu haben“, so Claire Steinbrück, Direktorin der imm cologne. „Diese Entwicklung lässt sich auf allen Einrichtungsmärkten der Welt beobachten und könnte einen Nachfrageboom bei nachhaltig entwickelten und produzierten Einrichtungsgegenständen auslösen.“

Ähnlich wie in der Mode scheint sich das Pendel derzeit von einem „Immer-mehr-und-immer-Billiger“ zugunsten einer verhältnismäßigen Qualitätsorientierung zu bewegen. Die von der Designszene geprägte Einrichtungskultur bevorzugt mehr denn je eine reduzierte, eher schlichte Formensprache mit natürlichem Ausdruck und authentischen Materialien in hoher Güteklasse.

Holz und Leder in handwerklich hochwertiger Verarbeitung, daneben Marmor und Stein mit weichen Konturen und sanfter Haptik signalisieren High End-Qualität. Gleichzeitig wird in traditionelleren wie in modischen Einrichtungswelten nach mehr Glamour gesucht, jedoch weniger in Hochglanz- als in extra mattem Finish: edel soll es sein, von originellem Ausdruck und klassischem Charme. Der Einrichtungstrend Natural Luxury vereint daher gleich mehrere Sehnsüchte: Wir wollen grüner, schicker, farbiger, natürlicher und nachhaltiger wohnen.

Foto | ClassiCon, Gerhardt Kellermann

Foto | ClassiCon, Gerhardt Kellermann

Die Lowboard-Serie Matéria zeichnet sich durch ihre besonderen Dimensionen und zugleich ruhevolle Aura aus. Die nahezu monochrome Optik offenbart sich bei näherem Hinsehen als Zusammenspiel aus offenporigem Travertinstein und Holz. Matéria ruft das intuitive Bedürfnis hervor, über ihre Oberflächen zu streichen und deren natürliche Haptik zu ertasten. Der ursprünglich rein experimentelle Entwurf des deutschen Designers Christian Haas wurde in Zusammenarbeit mit ClassiCon zu einem Trio erweitert. Einzeln oder in Kombination wirken die handwerklich gefertigten Lowboards in ihrer Materialität für sich und zeigen, wie sinnlich Reduktion wirken kann.

Fotos | B.I.C.

Fotos | B.I.C.

Für seine neuen Kollektionen hat B.I.C. Carpets mit einem Fotoshooting am Meer völlig „out-of-the-box“ gedacht. Mit der „Message-in-a-Bottle- Kampagne“ soll die Botschaft verbreitet werden, dass eine nachhaltige Produktion auch auf Teppiche zutreffen kann. Für Holden (Foto links), ein Cradle-to-Cradle-Teppich, werden umweltfreundliche Garne verwendet, die aus recycelten Fischernetzen und anderen aus den Ozeanen wiedergewonnenen Abfallmaterialien hergestellt werden. Das innovative Garn fühlt sich seidenweich an, als würden die Füße im warmen Sand an einem sonnigen Strand dahingleiten.

Der Patchwork-Quilt der Kollektion Haven (Foto rechts). besteht aus acht Farben, die sorgfältig ausgewählt wurden. Jede Farbe stellt ein Element dar, das an der Küste gefunden werden kann: Ozeangrün, Marramgras, reine Perle usw. Auch hier wurden alle Teppiche der Kollektion vor Ort in Belgien aus Econyl-Garn hergestellt, einem Garn, das aus recycelten Abfallmaterialien aus dem Meer besteht. Zur visuellen Darstellung wurden die Teppiche in der Kampagne wie ausgediente Fischernetze arrangiert.

Weltweiter Einrichtungstrend: Nachhaltige Möbel mit Qualitätsgarantie

Qualität ist der eigentliche Luxus. Er zeigt sich weniger im „Mehr“ und in der Opulenz von Formen und Materialien als in der qualitativ hochwertigen Verarbeitung, in den Details, in der Originalität der Möbel. Natural Luxury findet in erster Linie in der Welt der Materialien statt.

Ihre hohe Qualität und Authentizität kommen in schlichten Formen am besten zum Ausdruck, denn sie zeigen nachvollziehbar die Kompetenz und hohe Kunstfertigkeit der Hersteller. Mehr denn je wird die Konzentration auf das Wesentliche zum Credo der Designfans. Die Hochwertstrategie verzichtet gezielt auf Massenkonsum zugunsten eines nachhaltigen, verantwortungsbewussten Verständnisses vom Wohnen, wo Möbel eine Geschichte haben sollten und wieder vererbt werden könnten.

Foto | Leolux

Foto | Leolux

Einladend bequem: Natürliche Materialien charakterisieren den neuen Drehsessel Cream von Leolux (Design: Studio Truly Truly). Herzstück ist die hölzerne Schale aus gebogenem Nussbaum- oder Eichenholz. Der Sitz ist mit weichem Stoff oder Leder bezogen. Optimalen Komfort bietet das verstellbare Kopfteil, denn die Polsterexperten wollen das Sitzerlebnis so angenehm wie möglich gestalten. Dazu gehört auch die Neigemechanik, mit der sich die Sitzposition stufenlos von aktiv nach passiv verstellen lässt.

Foto links | Pode - Tischserie Ova, Foto rechts | Pulpo - Beistelltische Pina

Foto links | Pode – Tischserie Ova, Foto rechts | Pulpo – Beistelltische Pina

Die elegant gestaltete Tischserie Ova (Foto links) spielt mit dem Thema der Asymmetrie. Die Möbelstücke der Kölner Designerin Meike Harde sind von der Verschiedenheit der Tischbeine geprägt. Diese asymmetrischen Elemente verleihen Ova einen außergewöhnlichen Look. Die Serie besteht aus vier runden Modellen und einem rechteckigen Beistelltisch. Für eine freie Variation an Kombinationsmöglichkeiten sind die runden Versionen in mehreren Höhen und Größen erhältlich.

Sebastian Herkners unverwechselbare Beistelltischserie Pina ist inspiriert von den abstrakten Kurven und Windungen des berühmten Pina Bausch Tanztheaters. Die Grundfigur mit Sockel, Stab und Oberseite aus Gussglas glänzt in verschiedenen Kombinationen aus Grün, Maisgelb und Aquablau, Hellgrau und Transparent. Die Tische werden aus gegossenem Glas hergestellt, mit Stäben aus Messing und Stahl. Blasen, Streifen und andere Variationen in Größe und Farbe sind Teil des Produktionsprozesses.

Natürlicher Wohnen

Immer mehr Menschen versuchen ernsthaft, ihr Konsumverhalten zu verändern, um eine Trendwende zu einer nachhaltig agierenden Gesellschaft anzustoßen. Die Entscheidungen der Verbraucher in Bezug auf Mobilität, Handy oder Ernährung werden stärker unter dem Aspekt der Klimaneutralität bewertet. Genauso verhält es sich mit den Möbeln. Damit wird die Geschichte hinter dem Produkt – das Storytelling – immer wichtiger.

Im Wohnbereich werden damit nicht nur aus Gründen der Wohnlichkeit, sondern auch aus ökologischen Überlegungen gerne natürliche Materialien und Vollholz eingesetzt. Auch Möbel mit einer hohen Designqualität versprechen einen nachhaltigen Effekt. Die Sehnsucht nach einem unverfälschten Wohnen hält den Trend zu skandinavischem Design am Leben. Denn dieses wird mit naturnahem, unkompliziertem und ursprünglich-rustikalem Lifestyle assoziiert, der in dem traditionell schlichten Design seinen Ausdruck findet.

Foto | ADA

Foto | ADA

Wie natürlicher Schlaf aussieht, zeigt ADA mit seinen Bettenkreationen der Terra-Kollektion. Das Boxspringbett Stella Alpina begeistert mit der Ursprünglichkeit und den einzigartigen Merkmalen seiner Holzelemente. Denn ob Wildeiche, Wildkernbuche oder Zirbe – bei der Verarbeitung bleibt das natürliche Wachstum des Baumes erhalten. Wahlweise werden Kopfhaupt oder Box mit feinsten Stoffen und Ledern bezogen, während der jeweils andere Teil die Schönheit des Holzes offenbart.

Foto links | &Tradition - Stuhl Betty, Foto rechts | TEAM7 - Küche echt.zeit

Foto links | &Tradition – Stuhl Betty, Foto rechts | TEAM7 – Küche echt.zeit

Betty ist ein stapelbarer Stuhl von Thau & Kallio für &Tradition. Der Stuhl basiert auf einem kreativen Element, das meist versteckt bleibt: dem gewebten Sitz. Benannt ist er nach Kopenhagens Betty Nansen Theater, einem aus Holz erbauten Pavillon aus dem Jahr 1857. Auffallendstes Merkmal des Stuhls ist der freigelegte, gewebte Sitz, der sich normalerweise unter dem Rahmen versteckt. Das Gewebe-Design bewirkt, dass der Stuhl nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch eine luftige, beinahe transparente Präsenz hat. Auf der anderen Seite ist er stark und flexibel, da das Gewebe sich dem Körper anpasst.

Die Küche rückt als Herzstück des Hauses immer stärker in den Fokus. Darauf macht der Naturholzspezialist TEAM7 mit der neuen echt.zeit Küche (Foto rechts) Appetit: handgefertigt in Österreich, authentisch und konsequent nachhaltig. Handwerkliches Know-how ist hier entscheidend: von der richtigen Holzauswahl bis hin zu traditionellen Verbindungen, die dem lebendigen Holz gerecht werden und sich bei Bedarf für den einfachen Auf- und Abbau lösen lassen.

Grüner Wohnen

Wir suchen zunehmend die Nähe zur Natur: Keine Neubauwohnung wird mehr ohne Balkon gebaut, und Wohnungen mit Garten oder Terrasse werden gerade in den Innenstädten hoch gehandelt. Diese Berührungspunkte mit der Natur werden nun auch zum integralen Bestandteil des Wohnens, und die Terrasse wird zum zweiten Wohnzimmer.

Mit dem Trend „Indoor – Outdoor“ sehen wetterfeste Outdoormöbel heute nicht nur aus, als ob sie aus dem Wohnzimmer kämen – sie werden auch dort benutzt! Edle Materialien und Hightech-Textilien machen es möglich, sie auch im Innenbereich einzusetzen. Ein Unterschied in der Ästhetik ist im oberen Preissegment kaum noch auszumachen, und bei den neuen Indoor-Outdoor-Möbeln gleicht sich auch der Nutzungskomfort immer mehr an.

Foto | JAB Anstoetz

Foto | JAB Anstoetz

Via Condotti, Avenue Montaigne, Bond Street: die Bezugsstoffe der neuen Kollektion Belle Couture von JAB Anstoetz Fabrics tragen die Namen der großen Mode-Boulevards und wecken Assoziationen an internationale Fashion-Labels. Die Dessins transportieren Chic – ob cool, glamourös oder mit Retro-Flair. Bedient wird sich aus dem Fundus der Artdéco-Motive: Pfauenfedern reihen sich dicht an dicht, Zackenformen beleben die Oberflächen.

Foto links | COR - Farmer Chair, Foto rechts | Northern - Pal Bench

Foto links | COR – Farmer Chair, Foto rechts | Northern – Pal Bench

Zeitgenössische Sesshaftigkeit verbunden mit der Liebe zur Natur gestaltete 1965 bereits der Designer Gerd Lange mit dem „Farmer Chair“. Eine schlichte Holzkonstruktion wird mit spannbaren Stoffflächen zu einem flexibel nutzbaren Möbel kombiniert. Die quadratischen Sessel und Tische sind nach dem Steckprinzip zusammengesetzt. Ebenso leicht werden sie ab- und andernorts wiederaufgebaut. Für Nestbauer der Zukunft wird das erste Mitnahme-Möbel Made in Germany neu erschlossen, COR legt den Designklassiker wieder auf.

Die vierbeinige Pal Bench (Design: Sami Kallio) von Northern ist voller Charakter, natürlichen Materialien und auffälligen Handwerkstechniken. Die Begleitbank erweitert die bereits bestehende Hocker-Serie Pal. Die Beine heben sich auf die volle Höhe des Sitzes und bilden ein einfaches, aber auffälliges Profil, da sie neben dem Rahmen und nicht darunter sitzen. Die Sitzfläche wird aus natürlichen Schilffasern gewebt und in den Rahmen integriert, um eine einheitliche Oberfläche zu schaffen.

Farbiger Wohnen: Naturtöne bringen Wärme in die Einrichtungswelt

In Corona-Zeiten ist ein wohnliches Zuhause besonders gefragt. Also ist anzunehmen, dass die Pandemie auch auf die Farbpalette in Haus und Wohnung Einfluss nimmt. Aktuell wird diese von einem schon länger spürbaren Bedürfnis nach Naturtönen und einem natürlichen Ambiente bestimmt. Edle Tapeten, authentische und kunstvolle Parkettböden oder raffinierte Fliesen, Möbel und Accessoires in modernen, hellen Beige-Tönen als Basisfarbe vermitteln ein solches Ambiente und sorgen zudem für Wohnlichkeit.

Die Natur war direktes Vorbild für die Farben der Saison: Sandiges Beige kehrt als Grundton in das moderne Interieur zurück und löst das Weiß ab, Brauntöne changieren mehr ins Taupe als ins Schokoladige, und auch die Grautöne scheinen geradewegs der Erde entnommen zu sein. Natürliche Leinenfasern für Sitzflächen für Stühle oder Sitzbänke, Wiener Geflecht, reine Schurwolle oder hochwertiges Leder: nachhaltige Materialien mit Geschichte werten die Einrichtungsgegenstände auf und sind oft Vorbildern aus der Natur nachempfunden. Kombiniert werden die Beigetöne mit aktuell angesagten Farben. Von einem warmen Ocker- bis leuchtendem Honiggelb, von einem pastelliges Terracotta- zu einem kräftigen Safranrot, von zarten Grüntönen bis zu kräftigem Oliv reichen die Farbtupfer. Und als Alternative zu Schwarz greifen Innenarchitekten jetzt eher zu Dunkelgrün oder Nachtblau.

Foto | Tonon

Foto | Tonon

Die Leidenschaft des Designers Mac Stopa für organische geschwungene Linien findet in Moon von Tonon ihren Ausdruck. Die skulpturale Form des Stuhls basiert auf halbrunden Linien, die an die Mondphasen erinnern sollen. Die Seiten des Sitzes erstrecken sich in Richtung der Armlehnen und bilden eine flexible, aufgehängte Rückenlehne, die sich der Körperhaltung anpasst und dabei maximalen Komfort bietet. Der Stuhlkorpus besteht aus einem selbsttragenden Rahmen, der mit Integralschaum „Soft touch“ oder mit Kaltschaum gepolstert ist, die sich an die Form des Körpers anpassen und ein angenehmes Gefühl von Weichheit vermitteln.

Fotos | nanimarquina

Fotos | nanimarquina

Der puren Bewunderung für die Arbeiten des katalanischen Künstlers Santi Moix entsprang die von Nani Marquina farbenfrohe Kollektion Flora (Foto links). Diese besteht aus den drei Modellen Backyard, Promenade und Bloom, die wie Gemälde die Schönheit von Moix‘ Blumen einfangen. Für die Teppiche wurde eine ausgefeilte Handtuft-Technik eingesetzt, mit der sehr detailgetreu gearbeitet werden kann.

Die Kollektion Colors (Foto rechts) mit ihren kraftvollen und energiegeladenen Farben wurde ebenfalls von Nani Marquina entworfen. Die Teppiche sind Ihre ersten ungemusterten Daris und sie interpretieren die Farben der Natur auf eine abstrakte Art und Weise. Die hochwertigen indischen Dhurries, bei denen – ganz anders als bei klassischen Dhurries – die Fransen in die Struktur des Teppichs miteinfließen, können mit den amorphen Blumen der Flora Kollektion kombiniert werden.