Der Hitze entfliehen – so bleibt die Wohnung kühl

Pro und Contra sowie Alternativen zur Klimaanlage mit vielen Tipps

Spätestens nach der ersten Hitzewelle der Saison, sobald die Wohnung so richtig aufgeheizt ist und es mehrere kühle Tage und Nächte braucht, um sich der plagenden Wärme wieder zu entledigen – spätestens jetzt sucht Jeder nach geeigneten Maßnahmen, um für die nächste heiße Periode gewappnet zu sein. Doch was hilft wirklich effizient, mit welchen Mitteln wird wenigstens eine Linderung erreicht und welche Aktionen wirken allenfalls wie ein Placebo? Und bei welchen Temperaturen fühlen wir uns eigentlich wohl?

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Foto: Andrea Piacquadio von Pexels

Bei diesen Temperaturen fühlen wir uns wohl

Das Umweltbundesamt empfiehlt:

  • Für den Wohnbereich eine Temperatur von 20 bis 22 Grad Celsius
  • In der Küche sind für gewöhnlich rund 18 Grad ideal
  • Im Schlafzimmer sind 17 bis 18 Grad Celsius ideal
  • Im Bad darf es etwas wärmer sein, 22 Grad Celsius sind hier ideal.

Außerdem spielt der Humidex, zu deutsch Hitzeindex eine wesentliche Rolle beim Wohlempfinden der Temperatur. Dieser beschreibt die gefühlte Temperatur auf Basis der gemessenen Lufttemperatur sowie der relativen Luftfeuchtigkeit. Gemeinsam wirken sie auf den menschlichen Organismus und das individuelle Wärmeempfinden. Trockene Hitze verkraftet der Kreislauf bei gleichen Temperaturen demnach wesentlich besser als feuchte heiße Luft (Quelle: Wikipedia). Der empfohlene Wert für die relative Luftfeuchte liegt zwischen 45 und 55 Prozent.

Klimaanlage Pro und Contra

Diese Werte können im Winter mit richtigem Heizverhalten in Kombination mit Luftbefeuchtern mühelos erreicht werden. Doch wenn die Sonne brennt und die Wohnung auf diese Werte gekühlt werden muss, kann nur eine Klimaanlage auf so exakte Werte eingestellt werden. Ein bestechendes Pro, das für den Einbau spricht und weshalb sich immer mehr Menschen dafür entscheiden.

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Foto: Jonathan Borba von Pexels

Zu den Contras zählen die hohen Anschaffungskosten, der Installationsaufwand durch einen Fachmann und die Betriebskosten, die sich einschlägig auf der nächsten Stromrechnung ablesen lassen. Wer auf seinen ökologischen Fußabdruck achtet, schafft sich also wohl eher kein solches Gerät an. Auch individuell verspürte Faktoren sprechen gegen den Einbau: Klimaanlagen arbeiten nicht geräuschlos, was viele Menschen schon bei einem kurzen Aufenthalt im Hotelzimmer um den Schlaf bringt und die Luft ist ständig in Bewegung – so drohen Verspannungen durch Zugluft. Werden die Geräte nicht ordentlich gewartet, entwickeln sie sich zu Bakterien- und Virenschleudern.

Tipp Klimaanlage:
Wer dennoch keine andere Möglichkeit sieht, die Wärme aus der Wohnung zu schaffen, findet im Netz aktuell viele Testberichte zu mobilen Monoblockgeräten und Stand-Klimaanlagen (Splitgeräte) mit umfassenden Entscheidungshilfen wie Kosten, Laustärke, Leistung, Wirkungsgrad und Abkühlzeit.

Effektive Alternativen zur Klimaanlage

Wärme aus der Wohnung aussperren

Im Winter hält eine effiziente Wärmedämmung an Dach und Außenwänden die Kälte fern. Isolierglasfenster nach neuestem Stand der Technik sorgen zudem dafür, dass Kältebrücken vermieden werden. Was im Winter die Kälte abhält, wirkt auch im Sommer gegen die Hitze. Auch Pflanzen können zu einem besseren Raumklima beitragen. Wilder Wein oder Efeu an der Hauswand bildet eine wirkungsvolle Isolierschicht und ein großer Laubbaum an der richtigen Stelle gepflanzt, spendet im Sommer Schatten, um im Winter das Licht durchzulassen. Doch nicht Jeder kann die Kosten für diese baulichen Maßnahmen aufbringen oder er wohnt zur Miete und eine solche Handlungsweise liegt nicht in seinem Entscheidungsbereich.

Eine Renovierungsaktion für kleines Geld hält jedoch auch schon einen Großteil der warmen Außenluft draußen: Werden Fenster und Außentüren abgedichtet, lassen sich zudem Heizkosten im Winter sparen. Aber Achtung, je effizienter die Dämmung, umso konsequenter muss das Lüftungsverhalten sein, da sonst Schimmel droht.

Tipp:
Einfache Lüftungsregeln für eine kühle Wohnung beachten!

Um die Wärme auszusperren, sind beim Lüften einfache Regeln zu beachten: Spätestens sobald es Außen wärmer als Innen ist, sollten alle Fenster und Türen geschlossen werden. Die Kippstellung sollte vermieden werden, da sich sonst die Wärme einschleicht. Eine bessere Wirkung wird erreicht, wenn die Abschottung schon erfolgt, sobald die Außentemperatur über 20 Grad Celsius steigt. Die Zimmertüren sollten außerdem geschlossen werden, damit die Wärme sich nicht gleichmäßig verteilt und wenigstens einzelne Räume kühl bleiben. Morgens, abends und nachts kann auf Durchzug gestellt werden, wobei am besten auch die Schranktüren geöffnet werden, damit die darin aufgeheizte Luft entweichen kann. Ist die Luft abgestanden, sollte nur eine kurze Stoßlüftung erfolgen.

Sonneneinstrahlung vermeiden

Nicht nur die warme Luft von außen erwärmt die Wohnung. Das Sonnenlicht, das durch die Fenster in die Wohnung gelangt, heizt die Luft im Inneren auf, indem es auf Wände, Böden und Möbel strahlt, die Energie absorbiert, speichert und als Wärme langsam wieder abgibt. Darum ist ein guter Sonnenschutz das A und O. Hierbei gilt: Außen installierte Rollläden, Fensterläden, Jalousien oder Markisen halten die Wärme am effektivsten ab, da sie das Sonnenlicht gar nicht erst durch die Fensterscheibe lassen.

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Foto: 0xA1 von Karin Galán

Innen liegender Sonnenschutz wie Vorhänge, Rollos und Jalousien halten die bereits durch die Scheibe gelangte Sonnenwärme umso besser ab, je heller und blickdichter sie sind. Da helle Flächen das Licht besser reflektieren als Dunkle, wird also mehr Wärme wieder hinausgeschickt, bevor sie in den Raum eindringen kann. Die Wirkung ist aber sehr klein gegenüber professionellen Sonnenschutztextilien. Die thermischen Eigenschaften der Innenrollos sind abhängig vom Öffnungsfaktor des Gewebes und der rückseitigen Reflexionsbeschichtung. Hier können über 90 Prozent Wärmereflexion bei nahezu freier Sicht nach Außen erreicht werden. Allerdings blickt man wie durch eine Sonnenbrille, da alles Dunkler wirkt. Diesen Effekt haben auch Sonnenschutzfolien, die direkt auf das Fensterglas angebracht werden.

Innen liegende Wärmequellen ausschalten

Auch im Inneren der Wohnung wird ständig Wärme erzeugt. Elektrogeräte wie Fernseher und Computer strahlen Betriebswärme ab, selbst wenn sie im Stand-By-Modus sind. Also sollten sie ausgeschaltet werden, wenn sie nicht gerade im Einsatz sind. Auf Herd, Backofen, Trockner und Spülmaschine kann in den Sommermonaten getrost verzichtet werden. Stattdessen sorgen kalte Küche oder Grillen im Freien, dass Urlaubsstimmung aufkommt. Die Wäsche wird auf dem Ständer aufgehängt und verströmt angenehme Frische. Zudem stellen viele Menschen erstaunt fest, dass von Hand spülen kaum mehr Zeit benötigt als den Geschirrspüler zu füllen und wieder auszuräumen.

Lampen wirken oftmals wie eine Deckenheizung. Die so behaglichen Glühbirnen geben die Energie zu 95 Prozent in Wärme ab, Halogenlampen zu 90 Prozent und Energiesparlampen zu 75 Prozent. Bei LED-Lampen spricht man von 60 Prozent Wärmeabgabe. Bei allen wird also nur der kleinere Teil der Energie in Licht umgewandelt, wobei die LED am besten abschneidet. Bevor aber über eine Umrüstung nachgedacht wird, sollte sich Jeder auch über die jeweils enthaltenen Schadstoffe, die Lebensdauer und die UV- und Infrarot-Strahlung informieren.

Mehr Tipps rund um Energiesparlampen finden Sie hier

Kleinere Tipps für weitere Linderung

Um die Hitze zu verbannen, existieren allerdings auch neben einer Klimaanlage ausdrücklich willkommene Elektrogräte. Dunstabzugshaube und Abluft im Gäste-WC können getrost eingeschaltet werden, damit die warme Luft aus dem Raum transportiert wird. Und ein Ventilator kühlt zwar nicht aber er bewegt die Luft und durch die Verdunstungskälte auf der Haut erfährt der Mensch Linderung.

Tipp Ventilator:
Ein kleiner Trick: wird der Ventilator abends ans offene Fenster gestellt sodass er nach Außen bläst, vertreibt man die aufgeheizte Luft schneller.

Bei trockener Hitze kann ein zusätzlicher Verdunstungseffekt auch durch eingesprühte Vorhänge oder sonstige feuchte Textilien im Raum erreicht werden. Wird dahinter noch ein Ventilator aufgebaut, ist eine kleine Klimaanlage geschaffen.

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Foto: Hu?nh ??t von Pexels

Teppiche und Sofakissen können über den Sommer in den Keller geräumt werden. Denn die im Winter so behagliche Wirkung schlägt in der heißen Jahreszeit ins Gegenteil um: die gespeicherte Wärme wird langsam und stetig an die Umgebung abgegeben. Wer noch mehr Wärmespeichern in seiner Wohnung zu Leibe rücken will, der hält seine Wände, Decken, Böden und Einrichtung in hellen Farben. Das physikalische Gesetz der Wärmereflexion trifft nicht nur beim Sonnenschutz zu, sondern auch hier. Dabei gilt auch: Je mehr Masse ein (Bau)Körper hat, umso mehr Wärme kann er speichern. Also strahlen dunkle und schwere Bauteile deutlich mehr Hitze ab als helle und leichte.

Übrigens: die größte Wärmequelle im Raum ist der Mensch. Weil er die Temperatur im Inneren seines Körpers konstant bei 37 Grad Celsius halten muss, resultiert aus seinem Stoffwechsel eine ständige Wärmequelle mit einer mittleren Leistung von etwa 100 Watt. Diese Wärme wird an die Umgebung abgegeben, zumeist als Wärmestrahlung und auch als Verdunstungswärme über das Schwitzen. Warum also nicht dem Beispiel der Südländer folgen? Raus aus dem Haus und das Leben in Cafés, Parks, am See oder im Wald genießen und erst in der Nacht wieder heimkehren, wenn die Luft abgekühlt ist.

Autorin: Karin Galán, freie Innenarchitektin, Autorin.

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